mia nonna mio nonno
Wir gemeinsam in Bonn

Meine Großeltern…

Selbst wenn man über Generationen in derselben Stadt gelebt hat, kann es dennoch Unterschiede geben. Doch was wäre, wenn es eine Generation wagt und diese eigene Stadt, dieses eigene Dörfchen, die eigene Heimat zu verlassen? Was wäre, wenn diese Generationen nicht nur einen zeitlichen Wandel durch die Moderne erlebt, sondern auch einen kulturellen Wandel und damit das Leben der folgenden Generationen ohne eine konkrete Intention für immer verändert? Die Antwort auf all diese Fragen sind wir, die Enkelkinder der Gastarbeitergeneration in Deutschland.

Text: Aylin

Wir miteinander gegen Hass und Antisemitismus in Bonn

Ich mache in unserer Synagoge oft Führungen mit Schulklassen.  Je jünger die Schüler und Schülerinnen sind, umso harmloser und unschuldiger sind ihre Fragen in Bezug auf Judentum und Antisemitismus. Je älter sie aber werden, umso aggressiver und vorurteilsvoller werden ihre Fragen.

Das zeigt nur, dass Kinder nicht von vorneherein als Antisemiten geboren werden, sondern die Erziehung durch ihre Eltern und die Einflüsse ihrer Umwelt einen großen Anteil an ihrer Einstellung und ihrem Verhalten haben. Antisemitische Ressentiments sind oftmals Teil der Erziehung, vor allem dann, wenn Judenhass wie selbstverständlich als Doktrin verstanden wird.

Deshalb bin ich der Meinung, dass neben der schulischen Aufgabe, antisemitische und fremdenfeindliche Tendenzen zu unterbinden, auch die Bildung der Erwachsenen in diesem Sinne eine große Rolle spielt.

Judenhass droht von allen Seiten, und eine israelfeindliche Politik nährt ihn stetig. So ist es kein Wunder, wenn schon Kinder nicht nur den jüdischen Staat, sondern auch Juden im Allgemeinen als Feindbild begreifen.

Ich halte es deshalb für wichtig, auch bei Erwachsenen, ob jung oder alt, durch meine Führungen erzieherische Arbeit im Kampf gegen den Antisemitismus zu leisten, sie zu informieren, damit sie dagegenhalten, Zivilcourage zeigen, wenn Juden verbal oder tätlich angegriffen werden und positiven Einfluss auf ihre Kinder ausüben.

Dr. Margret Traub
Vorsitzende der Synagogengemeinde Bonn

Jeder Antisemitismus ist ein Angriff auf die Fundamente von Demokratie und Christentum. Wir dürfen Rassismus, Hetze und Gewalt nicht tolerieren. Für vernünftige Menschen – egal welchen Glaubens oder welcher Herkunft – kann es nur eine Reaktion gegen Antisemitismus und radikales Gedankengut geben: Gemeinsamer Widerstand! Dazu verpflichtet uns nicht zuletzt das Erbe unserer Stadt Bonn als Entstehungsort des Grundgesetzes.

Stadtdechant Dr. Wolfgang Picken, Bonn

Jüdisches Leben und jüdische Religion sind seit mehr als 1700 Jahren fester Bestandteil deutscher Kultur und unseres Landes. Wer Juden und jüdische Religion angreift, greift auch an die Wurzel unseres christlichen Lebens.

Pfarrer Joachim Gerhardt
Vorsitzender Gesellschaft für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit

Wer glaubt kann weder Rassist sein noch Antisemit! Wir haben in der Kirche lange gebraucht, das zu verstehen! Heute ist es eine Erkenntnis, hinter die wir nicht zurückkönnen und ein Auftrag, dem wir uns verpflichtet haben: Wir müssen aufstehen gegen Rassismus und Antisemitismus!

Dietmar Pistorius
Superintendent des Evangelischen Kirchenkreises Bonn.

Antisemitismus ist nicht anders als Fremdenfeindlichkeit, die uns alle trifft. Wir Bonner Bürger*innen mit unterschiedlichem kulturellen Hintergrund und Glauben wenden uns gegen jede Art der Menschenfeindlichkeit.

Dr. Hıdır Çelik,
Leiter der Evangelischen Migrations-und Flüchtlingsarbeit Bonn/Integrationagentur

Die Schule ist ein gesellschaftlicher Mikrokosmos.
Sie kann und muss zur Impfung gegen Hass und Rassismus beitragen.
Der Impfstoff ist Bildung. Und Herzensbildung!
Pestalozzi sagt: Erziehung ist Liebe und Vorbild sonst Nichts.
Alle Erwachsenen unserStadt sind hier gefragt!

Martin Finke
Schulleiter der Freiherr-vom-Stein-Realschule Bonn

Für uns Aleviten steht der Mensch im Mittelpunkt unseres Glaubens.
Der Mensch ist heilig und unabhängig von seinem Glauben und kulturellem Hintergrund.Wir lehnen Antisemitismus ab, zumal auch wir Aleviten häufig mit Diskriminierung konfrontiert sind.

Ahmet Dikme
Vorsitzender der Alevitische Gemeinde Bonn – Beuel

Der Philosoph Theodor W. Adorno schrieb 1951:
Antisemitismus ist das Gerücht über die Juden.
Die Aufgabe der Gedenkstätte ist es, dieses Gerücht zu entlarven und im Sinne der Aufklärung mit sachlichen Argumenten und historischen Beispielen – gerade auch aus Bonn – immer wieder dagegen zu halten.

Astrid Mehmel
Leiterin der Gedenkstätte Bonn

Die Verfolgung und Ermordung von Millionen Jüdinnen und Juden durch die Nationalsozialisten bleibt eine Schuld, die Deutschland auf sich geladen hat und auch künftig verantworten muss. Der Einsatz gegen Antisemitismus ist Verpflichtung aller in Deutschland lebenden Menschen. Die Angriffe gegen Jüdinnen und Juden zeigen, wie beschämend aktuell dies ist. In unserer vielfältigen Gesellschaft müssen wir hart daran arbeiten, über Erinnerungskultur hinaus jeden Tag klarzustellen, dass Antisemitismus und Rassismus unsere Gesellschaft bedrohen und eine respektvolle Demokratie unsere Gesellschaft stärkt.

Coletta Manemann
Integrationsbeauftragte der Stadt Bonn